Der 18. Brandenburgische Archivtag fand am 27. und 28. April 2015 im Vereinshaus “Kosmonaut” in Schwedt/Oder an der polnischen Grenze statt. Zu Beginn wurden die Teilnehmer begrüßt. Der Bürgermeister Jürgen Polzehl stellte seine Stadt vor, welche lernen musste, “mit der Kunst des Schrumpfens” umzugehen. Dennoch ist die 750 Jahre alte Stadt Schwedt eine aufstrebende Stadt und ein Bindeglied zwischen Berlin und Stettin.

Nach weiteren Begrüßungen, u.a. von Prof. Dr. Hartwig Walberg (FH Potsdam, Bundesvorstand des VdA), folgten die Fachvorträge.

Einleitender Vortrag war zum Thema “Archivbenutzung im digitalen Zeitalter” von Prof. Dr. Mario Glauert. In diesem Vortrag skizzierte Prof. Glauert die Archivbenutzung von Morgen. Das Zitat: 

“Junge Archivbenutzer werden über Akten wischen und tippen und feststellen, das die Akte ein iPad ist, die nicht funktioniert.” brachte den Inhalt auf den Punkt. Via Twitter verbreitete sich dieses Zitat in Windeseile. Prof. Glauert führte auch Argumentationen an auf die oft gehörte Nutzerfrage “Warum wird nicht einfach alles Digitalisiert”. Diese Digitalisierung würde alleine für das Schriftgut der Staatsarchive in Deutschland 100 Jahre lang pro Jahr 900 Mio. Euro kosten. Auch das das “Information Retrieval” im Archivwesen noch im Neolithikum steckt. Auch ist die Digitalisierung kein Allheilmittel. Der Beratungsaufwand wird im Gegenteil immer mehr zunehmen, denn Digitalisierung und Bereitstellung im Internet bedeutet “Benutzung von jedem Ort zu jeder Zeit” – oder nicht “User to Content, sondern content to user”. Auch der Beratungsbedarf wird sich daran Orientieren. Der Mehraufwand wird auch in der Erschließung und Anreicherung von Metadaten Niederschlag finden. Diese ist notwendig, denn “ohne Benutzer sind Akten nutzlos”. Die Digitalisierung von

Akten (=textlastige Flachware)

 sind aber auch eine zusätzliche Aufgabe, für die Archive von ihren Trägern keine zusätzlichen Mittel bekommen.

Martin Reisacher von der Fachstelle Archiv der DDB zeigte den Aufbau des Archivportal-d  und die Geschichte des jungen Projektes und zeigte die Details der Benutzungsoberfläche. Auch rief er auf, sich an dem Archivportal-d zu beteiligen und auch Feedback (von teilnehmenden Archiven und Nutzern) sind gerne gesehen. Das Support-Projekt wurde bis Mitte 2016 verlängert. Auch wird in naher Zukunft der DFG-Viewer für archivalische Großformate angepasst. Auch wurden hier Tipps zum Archivportal-d gegeben. 

Dr. Marcus Stumpf hielt nach der Mittagspause einen Werkstattbericht zum Pilot-Projekt “Digitalisierung von archivalischen Quellen – Ziele und erste Ergebnisse” gehalten. Hier wurde Aufgezeigt, welche Schritte notwendig sind, um Drittmittel für die Digitalisierung zu bekommen und diese durchzuführen. Hierzu leitete Dr. Stumpf seinen Vortrag mit den Worten “Der Lesefilm ist als Schutzmedium in Lesesaal ein Auslaufmodell” ein. Zu diesen Projekten gehören die Beständepriorisierung. Diese fand Federführend in dem Projekt durch die Archivschule Marburg statt.  Kriterien für die Auswahl von Beständen sind u.a. Multiperspektivität, Vollständigkeit der Bestände, Virtuelle Zusammenführung zersprengter Bestände, Komparatistisches Potentioal, hohe Benutzungsfrequenz und Unbekanntheit besonderer Stücke. Der Focus liegt dabei auf der Vollständigkeit der Bestände. Denn “Digitalisierung on Demand wird nie mit Drittmittelförderung gefördert”. Als allgemeine Prämissen für die Digitalisierung gelten hier : 

  • Bewertung, Ordnung und Erschließung gehen vor!
  • Ohne Onlinefindbuch keine Digitalisierung!
  • Bis auf weiteres nur Bestände Digitalisieren bzw. Online stellen, die keine archivrechtlichen Schutzfristen unterliegen und urheberrechtlich unbedenklich sind.
  • Bestand darf nicht zu klein sein.
  • Know-How muss vorhanden sein.

In diesem Projekt wurde ein Gruppenantragsverfahren eingeleitet. Hierbei gibt es einen Hauptantragssteller, welcher die Koordinierung in Händen hält und den (kleineren) Archiven als Mitantragssteller. Dr. Stumpf erinnerte daran, dass man auch heute noch Erschließungs- und/oder Retrokonversionsanträge bei der DFG einreichen. Und er zeigte Auf, dass im Land Brandenburg erst 2 % der DFG-Fördermittel eingesetzt wurden – “da geht noch was!”

Im nächsten Programmpunkt hat Harald Müller-Baur das Kirchenbuchportal archion vorgestellt. 2006 haben sich die kirchlichen Archive beschlossen, ein kostenpflichtiges Portal aufzubauen, um die Kirchenarchive zu entlasten. Die Wartezeiten werden in den Archiven immer größer. Betreibergesellschaft ist die Kirchenbuchportal GmbH, welche der EKD und den Landeskirchen Deutschlands gehören. In diesem Archivportal geht es mittlerweile um Personendaten. Auch andere Konfessionen sowie auch staatliche oder kommunale Archive können sich gerne beteiligen. Zum Aufbau des Portals wurde ein Weblog erstellt. Eine der zentralen Ausführungen war, dass Archion im Gegensatz zur allgemeinen Meinung gar nicht nur kostenpflichtig ist. Erst beim Zugriff auf die Digitalisate muss man Bezahlen. Die Recherche, die Homepage und auch die Leseübung für Nutzer sind kostenlos. Archion hat auch eine Crowdfounding-Schnittstelle, in dem Nutzer z. B. Digitalisate transkribieren. Diese werden unter der Rubrik UGC (User generated content) einzeln auswählbar. Wer diesen nicht traut, kann diese Informationen auch aus der Recherche entfernen. Es gibt mehrere Bezahlmodelle. Dabei ist kein Abo vorgesehen, damit die Nutzer nicht in eine Abo-Falle tappen. Das Hosting findet in Deutschland statt.

Den letzten Vortrag am ersten Tag hielt Ulf Preuß zum Thema “Spartenübergreifende Digitalisierungsprojekte in Brandenburg und ihre Präsentation am Beispiel der Plattform museum-digital”. Die Seite museum-digital ist kein Portal, sondern ein Konglomerat von digitalen Objekten. Hier zeigte Herr Preuß mehrere Anwendungen und Beispiele der Seite über einzelne Projekte.

Es folgte die Arbeit in den Arbeitsgruppen. 

Am zweiten Tag Berichtete Sabine Stropp über die Arbeit der Landesfachstelle für Archive und öffentliche Bibliotheken. Ein großer Teil nahm dabei die Arbeit an Notfallverbünden in den Landkreisen und kreisfreien Städten ein, u.a. im Landkreis Elbe-Elster

Es folgten die Ausstellerforen. 

Den Rest des Archivtags hab ich nicht mehr erlebt. Insgesamt war es ein sehr guter Archivtag. Sehr Informativ und in einer tollen Stadt, welche leider durch ihre Randlage so unbekannt ist.

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