Ansatz für Offene Archive schon 1989

Bei der Lektüre des Tagungsbandes von Dagmar Unverhau (Hrsg.): Hatte „Janus“ eine Chance? Das Ende der DDR und die Sicherung einer Zukunft der Vergangenheit. (Referate einer Tagung beim BStU […] vom 27. – 29. Nov. 2002 in Berlin) stieß ich auf ein Zitat auf Seite 53, dass bei der letzten Tagung Offene Archive 2.3 in Duisburg als Appell an die versammelten Archivare/Innen hätte gelten können. Von seiner Aktualität hat es nix verloren:

2017-08-11 20.41.40-2

 

Advertisements

Das erste deutsche #ArchivCamp – Nachlese

Am 19. Juni 2017 fand das erste deutsche ArchivCamp im Rahmen der Konferenz Offene Archive 2.3 statt.

Der Tagungsbericht und die Fotos sowie der Artikel von Angela Stilwell zeigen, dass diese Tagungsform durchaus positiv zu bewerten ist.

Es sind zwar einige klassische Elemente eines BarCamps weg gelassen worden, aber das war den Umständen geschuldet. So wurden keine beschreibenden Hashtags für die einzelnen Teilnehmer/Innen vergeben. Auch gab es keine Vorstellungsrunde. Dies lag vor allem an dem zeitlichen Rahmen. Und da das Archivwesen in Deutschland eine recht kompakte Angelegenheit ist, ließ sich das machen.

Auch die Raumverteilung war ein Kritikpunkt. Das Landesarchiv NRW hatte zu diesem Zweck sogar seinen Nutzersaal früher geschlossen. Kleinere und dafür mehr Räume wären besser gewesen. Jedoch ist die Location auf eine breite Zustimmung und Begeisterung gestoßen.

Auch ein Grund für Kritik war ich selbst. Ich habe die Sessionplanung notiert…..was Live geschah und so aussah:

2017-06-19 15.40.09

Diese Arbeit hat mir den Spitznamen „Der Junge mit dem Filzstift“ eingebracht: https://twitter.com/Jo_Kemper/status/876793817986420736

Man hat viel daraus gelernt und ich bin mir sicher, dass das nicht das letzte ArchivCamp in Deutschland war.

Siwiarchiv-Blogparade zum 5-Jährigen

Das Archivblog Siwiarchiv wird 5 Jahre alt und hat zum Geburtstag wieder zu einer Blogparade geladen. 

Thema: “welche Archive sollten mit dem Bloggen beginnen oder es ausbauen? Welche archivischen Themen sollten in einem Blog behandelt werden? Welche eigenen Blogideen, die die archivischen Arbeiten beruhen, habt ihr?”

Mir liegt besonders die brandenburgische Archivlandschaft am Herzen. Es existiert zwar bereits ein Archivblog Brandenburg, welcher allerdings seit 2013 inaktiv ist. Dieser Weblog ist im Rahmen eines Projektes der FaMI-Ausbildung an der Louise-Schröder-Schule von FaMIs des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (BLHA) entstanden. 

Meiner Meinung nach wäre es eine gute Sache, wenn dieses Weblog reaktiviert werden würde. Themen würden sich ausreichend anbieten. 

Beispiele dafür wären: 

Ein solcher Blog, gemeinschaftlich bespielt vom BLHA, den Kommunalarchiven in Brandenburg, der Fachhochschule Potsdam und dem VdA-Landesverband Brandenburg, würde die Archivlandschaft beflügeln und auch auf Probleme in Ausstattung, Finanzierung, Digitalisierung und Ausbildung hinweisen. 

Zitate vom 86. Deutschen Archivtag 2016 in Koblenz

Hier habe ich alle Zitate aufgeführt, die ich mir notiert habe und die ich aus Twitter heraus gezogen habe. Diese Liste von Zitaten hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Dr. Beate Dorfey: “Behörden haben heute keine Ahnung von Schriftgutverwaltung”
  • Dr. Beate Dorfey: “Ein DMS ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance”
  • Jörg Fischer: “Ein unbeliebter Archivar ist besser als ein unbeachteter Archivar”
  • Franziska Mücke: Nutzer benutzen die Informationen, die sie am schnellsten bekommen – nicht die, die am relevantesten für die sind”
  • Dr. Burkhardt Nolte: “E-Government-Gesetze deuten an, was auf uns zu kommt”
  • Christoph Schmidt: “Archive müssen sich so früh und intensiv wie möglich bei Produktion elektronischer Unterlagen einbringen”

Wichtigkeit von Portalen im Archivwesen

Gebietsübergreifend

Einer der wesentlichsten
Vorteile ist der
übergreifende Charakter. Portale haben einen regionalen Bezug,
welcher es den Usern gestattet, mehrere Archive abzuprüfen.
Denn im Gegensatz zu Bibliotheken existiert eine Akte nur an einem
Ort und wird nur von einem Archiv bereit gestellt.

Aktuell unterscheiden wir drei
Ebenen von Portalen:

Europaweit:

Deutschlandweit:

Regionale Archivportale: u.a.

Kirchenarchive:

Damit werden User/innen
in die Lage versetzt, einfach zu Suchen was sie wollen, ohne auf die
archivische Zuständigkeit zu achten. Die
mangelnde Kenntnis der Zuständigkeit bei den Nutzern/innen
führt dazu, dass sich Nutzer/innen
mit den merkwürdigsten Wünschen an Archive wenden. Z.B. das sich
Nutzer/innen
an das Stadtarchiv Kiel wenden, um Akten über die Kriegsmarine
einsehen zu können.

Wenn
Nutzer/innen
dagegen auf Portalen recherchieren, erhöht sich die Chance, dass
sich die Nutzer auch an das richtige Archiv wenden.

Ein besonderen Platz nehmen dabei das Archivportal Europa und das
Archivportal-D ein, da in der deutschen Geschichte viele
Grenzverschiebungen durchgeführt wurden.

Medien übergreifend

Jeder Archivar/ jede Archivarin hat es
schon mal erlebt, dass sich Nutzer/innen mit der Frage nach „Sachen“
ins Archiv gewendet haben. In der weiteren Befragung stellt sich dann
meist heraus, dass die Nutzer/innen gar keine Ahnung haben, welchen
Medientyp sie suchen. Akten, Karten oder Pläne, Bilder, A/V-Medien?
Viele Nutzer/innen können sich da in einer mündlichen Beratung gar
nicht entscheiden.

Portale bieten hier ein Lösung an, da
in Portalen auch Digitalisate von Akten, Bildern, Karten etc.
verlinkt werden können. Dies erleichtert den Nutzer/innen die
Entscheidung.

Leichteres Sharing

In einer digitalen Gesellschaft
wie der unseren müssen Daten immer häufiger geteilt werden. Viele
Portale bieten Perma-Links an, mit welchen eine einzelne VZE mit den
entsprechenden Metadaten geteilt werden kann. So kann Beispielsweise
ein Dozent seinen Studenten/innen einen Perma-Link über eine Akte
Mailen oder in einem E-Learning-System hinterlegen. Die
Studenten/innen können sich auf diese Weise die Primärquelle ohne
erneute Rechercheanstrengungen im Archiv bestellen und auswerten.
Noch einfacher ist es, wenn für diese VZE Digitalisate verlinkt
sind.

Fazit

Archivportale sind für die
Archive eine wichtige Institution, um ihre Quellen und
Dienstleistungen in die Bevölkerung zu tragen. Daher sollte es zu
den Bestrebungen gehören, Archivportale in der Bevölkerung zusammen
mit den Archiven stärker publik zu machen. Mit den Archivportalen
haben wir Aggregate, mit
welchen wir die Nutzer/innen
erreichen können. Aber es
muss weiter forciert werden.

Gedanken zu Retrieval-Elementen im Archivwesen

Im deutschen Archivwesen hat mit dem Einzug von Linked Open Data,
der Etablierung von Online-Findbüchern und übergreifenden
Archivportalen (hier seien das Archivportal-D und das Archives Portal
Europe
genannt) und der Konferenzen über Offene Archive eine Kultur
der weiteren Öffnung der Archive in Bewegung gesetzt.

Zwar ließ sich die Öffnung der Archive mit dem ersten
französischen Archivgesetz von 1794 nicht mehr verhindern – hier
wurde die Büchse der Pandora geöffnet, welche sich seit dem nicht
mehr schließen lässt. Dennoch sind die Archive und Archivarinnen
und Archivar in letzter Zeit noch stärker bestrebt, ihr Archivgut
stärker zu bewerben.

Dazu steht nicht nur eine aktive Social-Media-Gruppe im deutschen
Archivwesen bereit, welche via Facebook, Twitter, Blogs u.a.
Werkzeugen Archive und ihre Wissensarsenale in die Bevölkerung
tragen. Auch die oben genannten Anwendungen wie Portale sind zentrale
und wichtige Mittel zur stärkeren Wahrnehmung der Primärquellen
durch Bevölkerung und Forschungsprimaten.

Was bringen diese Werkzeuge allerdings, wenn die Nutzer sprachlich
nicht in der Lage sind? Hier sollten verstärkt Information
Retrieval-Strategien als taktisches Mittel angewendet werden.
Natürlich haben die konzeptuellen Modelle des IR seine Grenzen.
Vektormodelle und probabilistisches Retrieval sind keine wirkliche
Option, da diese Modelle die freie Suche des Nutzers einschränken.

Die wesentlichen Elemente werden am einfachsten in die
Erschließung eingearbeitet. Fachterminologie muss natürlich in die
Erschließung mit einfließen. Jedoch muss sich der/die
Archivar/Archivarin sich überlegen, ob aktuelle Begriffe oder
gebräuchlichere Begriffe in die Enthält-Vermerke eingefügt werden
sollten. So könnte der übernommene Titel bleiben bzw. der neu- oder
umgebildete Titel die damalige Fachterminologie beinhalten und
dennoch könnten archivische Suchmaschinen diesen Titel bei aktuellem
Sprachgebrauch finden.

Ein weiterer guter Ansatz ist die Vermeidung von Stoppwörtern wie
„und“, „in“, „der, die, das“. Dies sollte sowohl in der
Recherche als auch schon in der Erschließung beachtet werden.

Thesauri sind eine sinnvolle Methode, kann jedoch nur selten
angewendet werden. Die Gründe liegen darin, dass nicht für jedes
Thema ein Thesaurus zur Verfügung steht und dass professionelle
Thesauri nicht immer kostenfrei oder Open-Source zur Verfügung
stehen.

Abschließend lässt sich sagen, dass die klassische archivische
Erschließung und das Information Retrieval, obwohl getrennt
voneinander entstanden, einander gut ergänzen und von der Fachschaft
teilweise sogar intuitiv angewendet werden.

#auds2016 – ein kleiner Tagungsbericht

Am 1. und 2. März 2016 fand die 20. Tagung des Arbeitskreises “Archivierung von Unterlagen aus digitalen Systemen”  an der Fachhochschule Potsdam. Zu dieser Tagung wurde unter dem Hashtag #auds2016 getwittert. Die FH Potsdam hatte dazu einen Twitter-Account erstellt (@auds2016). Die Tagung hatte fast 180 Teilnehmer aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich, Tschechien und Ungarn.

image

Für nicht-twitternde Teilnehmer wurden Frage-Karten erstellt, um die Interaktion mit den Teilnehmern zu erhöhen.

Der Präsident der Fachhochschule Potsdam Prof. Dr. Binas begrüßte als Hausherr die Teilnehmer. In seiner Rede führte er u.a. die Paradoxie eines Archivs aus. Archivare bearbeiten etwas, damit es dann im Archiv verschwindet. Archivare können nicht darauf warten, dass die Bürger ins Archiv stolpern. Sie müssen ihre Aufgabe in die Gesellschaft tragen. Damit hatte Prof. Binas den richtigen Zeitpunkt getroffen, da noch in der selben Woche der 8. Tag der Archive statt fand. Die Tagung wird auf der Homepage des Staatsarchivs St. Gallen dokumentiert.

Anschließend begrüßte die designierte Dekanin des Fachbereichs 5 Informationswissenschaften der FH Potsdam, Prof. Dr. Katrin Schwarz, die Teilnehmer.

In folgenden gab es Vorträge über Werkzeuge und Projekte zur Bewertung und Erschließung von unstrukturierten Fileablagen, welche nicht nur in Nachlässen, sondern auch durchaus in staatlichen Verwaltungen vorkommen.

Im Anschluss folgten zwei Sektionen. Dabei widmete sich eine Sektion der Übernahme & Bewertung und eine den “kleinen Archiven”. 

Ein weiteres großes Thema nach den Sektionen waren Datenstandards. Besonders gehaltvoll war der Vortrag von Julia Krämer-Riedel und Peter Worm über “Digitale Archivierung von Personenstandsregistern. Umsetzung der Vorgaben des XÖV-Standards XPSR im Digitalen Archiv NRW”. Hierbei wurden nicht nur das technische Verfahren, sondern auch die rechtlichen Aspekte beleuchtet.

Ein anderer interessanter Vortrag war von Veronika Krauß von der Bauhaus-Universität Weimar über die Authentizität digitaler Objekte unter Formattransformationen. Hier werden mehrere technische Aspekte untersucht, mit welchem man die unverfälschte  Version eines digitalen Bildes nachweisen kann. An diesem Vortrag wurden auch offene Fragen an die Teilnehmer gestellt:

image

Antworten auf die o. g. Fragen können an veronika.krauss@uni-weimar.de bzw. stefan.lucks@uni-weimar.de gerichtet werden.

Es folgten viele ähnlich Interessante Vorträge, u.a. über das TIFF-Format und Emulation als Alternative beim Computerspielemuseum Berlin.

Mein Eindruck von dieser Tagung war, dass hier ungeheuer viel Content vermittelt wurde. Um die vielen Informationen aufzunehmen, musste ich ein paar Bilder machen. Die gehaltvollsten habe ich bei Flickr hochgeladen.

#auds2016


!function(d,s,id){var js,fjs=d.getElementsByTagName(s)[0],p=/^http:/.test(d.location)?’http‘:’https‘;if(!d.getElementById(id)){js=d.createElement(s);js.id=id;js.src=p+“://platform.twitter.com/widgets.js“;fjs.parentNode.insertBefore(js,fjs);}}(document,“script“,“twitter-wjs“);

Neue Emoticons bei Facebook – wie gehen Archive damit um?

Neue Lage


Facebook hat in dieser Woche in Deutschland die neuen Emoticons eingerichtet. Jetzt ist der Gefällt-mir-Button erweitert um die Reaktionen “Love”, “Haha”, “Wow”, “Traurig” und “Wut”.
Mittlerweile gibt es in Deutschland nicht nur Facebook-Account für den Privatgebrauch. Auch haben deutsche Archive wie das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, das LWL-Archivamt, mehrere Stadtarchive (Lippstadt, Speyer, München, Amberg, Erfurt, Magdeburg u.v.m.), das Universitätsarchiv Leipzig und das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland einen Facebook-Account (Womit der Kreis bzw. die Rundreise durch die Facbooklandschaft in Deutschland wieder geschlossen wäre).

Was Ändert sich mit diesen neuen Emoticons? 


Für die Archive, die diese Reaktionen nicht aufzeichnen, ändert sich primär nicht viel. Die Ergebnisse bzw. Reaktionen können differenziert wahrgenommen werden. Die Follower können jetzt auch negative Meinungen äußern. Auch können verschiedene Abstufungen aufgezeigt werden.
So gesehen ist es für Archive ein Vorteil. Das Phänomen, dass User nur sehen und nicht Liken bzw. nur Liken, wird dadurch verändert. Durch die differenzierte Art des Likens werden die Follower animiert, zu reagieren.
Die bisherige Reaktion war “Like”- bei gefallen, kein “Like” war alles andere. Eine große Zahl von Followern neigen dazu, eine der beiden o. g. Reaktionen zu tätigen. Zu Kommentaren lassen sich diese oft nicht bewegen – sei es aus Furcht, Unlust oder beginnendem Desinteresse.
Daher sind die neuen Emoticons eine angenehme Möglichkeit, andere Reaktionen als “Gefällt mir” oder “Gefällt mir nicht” hervor zu Rufen.

Wie soll man das Auswerten?

Die Archive, die die Reaktionen auswerten, sollten die Emoticons in Oberkategorien aufteilen, um so die Reaktionen definitiv zu klassifizieren und einzuordnen.
Vorschlag:
“Gefällt mir”, “Love” = Zustimmung bzw. Gefallen.
“Haha”, “Wow” = Kenntnisnahme.
“Traurig”, “Wut” = Definitive Ablehnung des Inhaltes.

Fazit

In der abschließenden Betrachtung lässt sich sagen, dass die neuen Emoticons die Follower dazu animieren, mehr Reaktionen zu zeigen. Während Kommentare durchaus selten sind, können mit den Emoticons zumindest differenzierte Meinungen und Tendenzen hervorrufen. Jetzt sind die Autoren der Beiträge weiter gefragt, interessante Posts zu erstellen und darin Fragen zu stellen und Aufrufe einzubringen, um die Follower dazu zu bringen, ihren Senf dazu zugeben.